Technologische Fortschritte im Kartoffelanbau in Europa.

Auf der PotatoEurope 2026 werden Vorführungen von Maschinen, Robotern, Automatisierung und künstlicher Intelligenz für die Kartoffellieferkette gezeigt.

07.07.2026 | 14:30 (UTC -3)
Cultivar Magazine, basierend auf Informationen von Malene Conlong
Foto: DLG
Foto: DLG

Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz werden voraussichtlich die nächste Entwicklungsstufe der Kartoffelproduktion prägen. Dieses Thema steht im Mittelpunkt der PotatoEurope 2026, die am 9. und 10. September 2026 im Rittergut Gestorf in Springe bei Hannover stattfindet. Die Veranstaltung präsentiert rund 300 Aussteller und zeigt Vorführungen von Maschinen für Pflanzung, Ernte, Verladung und Pflanzenschutz.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) organisiert die Messe. Zum Fachprogramm gehört auch „DLG Spotlight: Digitale Landwirtschaft powered by FarmRobotix“. Diese Initiative befasst sich mit Robotik, Automatisierung und künstlicher Intelligenz in der landwirtschaftlichen Produktion. DKE-Data, DLG und FarmRobotix präsentieren die Technologien in Live-Demonstrationen, Fachdiskussionen und praktischen Übungen.

Erhöhte Produktivität

Laut technischen Unterlagen von Rolf Peters (PotatoConsult UG) ist der kontinuierliche Anstieg der Kartoffelproduktivität teilweise auf die Mechanisierung landwirtschaftlicher Prozesse zurückzuführen. Die fortschreitende Digitalisierung und künstliche Intelligenz läuten eine neue Phase ein. Erwartet werden Gewinne entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Peters hebt einen entscheidenden Punkt für die Einführung dieser Technologien hervor: Die Lösungen müssen den agronomischen Anforderungen von Kartoffeln gerecht werden und die Arbeitsabläufe in den landwirtschaftlichen Betrieben vereinfachen. Beschränkungen beim Düngemitteleinsatz und die geringere Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln beeinflussen zudem die Durchführung der einzelnen Produktionsschritte.

Beim Pflanzen ermöglichen digitale Werkzeuge bereits die Planung des Maschinenverkehrs auf dem Feld vom Büro aus. Die Pläne werden per USB-Stick oder Cloud-System an die Traktoren gesendet. Die Informationen können auch die variable Reihenabschaltung in unregelmäßig geformten Bereichen und die automatische Erstellung von Fahrspuren umfassen.

Qualitätskriterien

Gleichmäßige Saattiefe und regelmäßige Reihenbildung sind entscheidende Qualitätskriterien, erklärt Rolf Peters. Diese Faktoren beeinflussen den Pflanzenaufgang, die Pflanzenentwicklung und die erforderliche Erntetiefe. Die Kombination von Sensoren mit hydraulischen Fahrgestellsteuerungen ermöglicht einen konstanten Abstand zwischen der Hauptstruktur der Sämaschine und der Bodenoberfläche. Dies begünstigt die präzise Steuerung der Furchenöffner und eine gleichmäßige Reihenbildung.

Das Pflanzen von Saatkartoffeln mit engem Saatabstand bietet deutliche Vorteile. Der übliche Abstand von 20 Millimetern führt zu unterschiedlichen Pflanztiefen. Größere Knollen werden tendenziell tiefer in die Furche gesetzt als kleinere. Bei Pflanzmaschinen mit horizontalen Elementen kann ein größerer Abstand zudem die Gleichmäßigkeit des Reihenabstands beeinträchtigen. Dies kann sich negativ auf die Größenverteilung der geernteten Knollen auswirken.

Der zunehmende Einsatz hydraulisch und zukünftig elektrisch betriebener Pflanzelemente ermöglicht die Anpassung des Pflanzabstands im Fahrbahnbereich. Zudem können für jede Parzelle spezifische Pflanzpläne angewendet werden.

Unkraut

Kartoffeln stellen bei der Unkrautbekämpfung eine bekannte Herausforderung dar. Ihr langsameres Anfangswachstum und der relativ große Reihenabstand beeinträchtigen ihre Konkurrenzfähigkeit in der frühen Wachstumsphase. Mechanische Bekämpfung, Herbizide und die Auswahl von Sorten mit schnellerem Kronenschluss können den Unkrautdruck verringern.

Wechselhaftes Wetter erschwert die Bestimmung des optimalen Zeitpunkts für mechanische Eingriffe. Das Wurzelsystem der Kartoffeln erstreckt sich entlang der Reihenränder. Ein Eingriff zum falschen Zeitpunkt kann die Pflanzenentwicklung beeinträchtigen. Verzögerungen hingegen verringern die Wirksamkeit gegen größere Unkräuter.

Eine von Rolf Peters genannte Alternative sind mechanische Kultivatoren mit größerer Arbeitsbreite. Dank autonomer Werkzeugführung oder individueller seitlicher Bewegung der Anbaugeräte können diese Maschinen mehrere Fahrspuren gleichzeitig bearbeiten und Pflanzenschäden reduzieren.

Bei Ernte und Lagerung konzentrieren sich die Risiken auf Beschädigungen der Knollen. Unentdeckte Mängel können die Lagerung und die spätere Vermarktung beeinträchtigen. Sensoren und Kameras verbessern zunehmend die Überwachung des Produktflusses in den Erntemaschinen. Künstliche Intelligenz erfasst und analysiert die während der Ernte erzeugten Bildinformationen.

Abtrennung von Verunreinigungen

Ein weiterer technischer Aspekt betrifft die Trennung von Erde, Steinen und Verunreinigungen, erklärt Peters. Einige Betriebe entfernen Steine ​​oder trennen andere Materialien vor der Aussaat, um eine ertragreiche Ernte mit weniger Verunreinigungen zu ermöglichen. Andere nutzen mechanische, pneumatische und elektronische Systeme, um Verunreinigungen erst am Eingang zum Lager zu entfernen.

Dieser Wandel ist auf die gestiegene Erntekapazität auf dem Feld, den Mangel an zuverlässigen Arbeitskräften für die manuelle Sortierung und Fortschritte in der optoelektronischen Sortierung zurückzuführen. Diese Systeme nutzen Bilderkennung und -verarbeitung, zunehmend unterstützt durch künstliche Intelligenz.

Elektrooptische Systeme können auch beim Transport von gelagerten Kartoffeln eingesetzt werden. Sie erkennen sichtbare Verunreinigungen und Mängel wie beispielsweise faule oder beschädigte Knollen. Prinzipiell können sie, sofern sie über die entsprechende Software verfügen, auch ungewaschene Kartoffeln nach ihrer Qualität klassifizieren.

Aktuelle Trends gehen hin zu spezialisierten Sortiermaschinen. Diese erfassen mehrere Bilder jeder Knolle, bevor die Entscheidung getroffen wird, und können die Knolle in mehr als drei Fraktionen oder Größenklassen unterteilen. Trotz der höheren Investitionskosten verbinden die Erzeuger diese Systeme mit einem geringeren Arbeitsaufwand und einer größeren Flexibilität, um die unterschiedlichen Qualitäts- und Größenanforderungen der Abnehmer zu erfüllen.

Sorten-Newsletter

Erhalten Sie die neuesten Nachrichten aus der Landwirtschaft per E-Mail

auf die WhatsApp-Gruppe zugreifen