Getreidemarkt schwankt zwischen Handelsruhe und Unsicherheit

Hedgepoint-Bericht deutet auf Erleichterung durch US-China-Abkommen hin, weist aber auf klimatische und geopolitische Risiken für Sojabohnen, Mais und Weizen hin

23.05.2025 | 17:16 (UTC -3)
Milena Camargo

Der zwischen den USA und China unterzeichnete Handelsfrieden brachte vorübergehende Entspannung auf den Weltmärkten, die Getreide- und Ölsaatenkette steht jedoch weiterhin vor einem schwierigen und volatilen Umfeld. Dies geht aus dem monatlichen Bericht von Hedgepoint Global Markets hervor, der die wichtigsten Treiber von Angebot, Nachfrage und Preisen in den Segmenten Sojabohnen, Mais und Weizen analysiert.

Das in Genf unterzeichnete und 90 Tage gültige Abkommen sieht die Senkung bilateraler Zölle auf Agrar- und Industrieprodukte sowie die Aussetzung von Vergeltungsmaßnahmen wie der chinesischen Blockade des Exports von Seltenerdmineralien vor. Dieser Schritt brachte den Finanzmärkten eine sofortige Erleichterung: Der S&P-Index stieg, der Dollar wurde stärker und der Volatilitätsindex VIX fiel.

Diese Erleichterung ist jedoch nur vorübergehend. „Die strukturellen Spannungen zwischen den USA und China sind weiterhin vorhanden und werden das Verhalten der Wirtschaftsakteure weiterhin beeinflussen. Darüber hinaus müssen sich die Märkte weiterhin mit Klimafragen, geopolitischen Risiken, der US-Verschuldung und Veränderungen in der Energiepolitik auseinandersetzen“, sagt Thais Italiani, Market Intelligence Manager bei Hedgepoint.

Sojabohnen: Brasilien dürfte Exportführer sein 

Chinas Aufbau strategischer Sojavorräte hat mit 43–44 Millionen Tonnen ein Rekordniveau erreicht, was die Importe im Jahr 2024/25 begrenzen dürfte. Das USDA prognostiziert jedoch bereits für den Zyklus 2025/26 eine Erholung der Nachfrage und strebt damit die Aufrechterhaltung dieses Niveaus der Ernährungssicherheit an. Diese Aussicht könnte südamerikanischen Exporteuren, insbesondere Brasilien, zugute kommen.

Mit einer geschätzten Produktion von 175 Millionen Tonnen für 2025/26 (laut USDA) wird Brasilien voraussichtlich seine weltweite Führungsposition auf dem Sojabohnenmarkt behaupten. Darüber hinaus ist eine potenziell steigende Nachfrage aus China infolge des Handelskriegs bereits in den Erwartungen auf Rekordexporte enthalten – was in der zweiten Jahreshälfte Druck auf die inländischen Lagerbestände ausüben und die Preise in die Höhe treiben dürfte.

In den USA liegt die Ernte 2025/26 nach ersten Schätzungen bei 118,1 Millionen Tonnen. Diese Zahl hängt jedoch von idealen Wetterbedingungen ab. Angesichts der reduzierten Lagerbestände und der hohen Nachfrage nach Kleie und Öl weist das Land tendenziell ein angespanntes Gleichgewicht auf, das die Preise stützt, selbst wenn die Exporte zurückgehen und die Mengen aufgrund von Handelsstreitigkeiten gefährdet sind.

Mais: Ethanol gibt Brasilien Auftrieb 

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert für die USA für 2025/26 eine Rekordmaisernte, die erstmals die Marke von 400 Millionen Tonnen überschreiten könnte. Eine robuste Produktion wird zwar ein Exportwachstum ermöglichen, dürfte aber auch zu höheren Lagerbeständen und einem Preisdruck in Chicago führen.

Brasilien könnte mit geschätzten 131 Millionen Tonnen für 2025/26 von der internationalen Lage profitieren, insbesondere wenn Zölle die Verkäufe aus den USA und Argentinien beeinträchtigen. Darüber hinaus hat Maisethanol in Brasilien an Bedeutung gewonnen und gilt bereits als Schlüsselfaktor für die Preisstabilität auf dem Inlandsmarkt. „Der starke, durch Biokraftstoffe angetriebene Inlandsverbrauch ist ein positives Differenzierungsmerkmal für Brasilien und trägt dazu bei, externe Risiken zu mindern“, betont Luiz Fernando Roque, Market Intelligence-Koordinator bei Hedgepoint.

Andererseits können Faktoren wie die Vogelgrippe und ein möglicher Rückgang der Hühnerfleischexporte den Verbrauch von Mais als Futtermittel beeinträchtigen. Da Hühnerfleisch 57 % dieses Verbrauchs ausmacht, verdient diese Variable Aufmerksamkeit.

Weizen: US-Wetter setzt Produktion unter Druck 

Beim Weizen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die widrigen Bedingungen, denen Winterkulturen in wichtigen US-Bundesstaaten wie Kansas, Texas, Nebraska und South Dakota ausgesetzt sind. Die Aussaat des Sommerweizens schreitet schnell voran und liegt über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, doch das Wetter bleibt ein entscheidender Faktor für die Ernte 2025/26.

Unterdessen erhöhen Hedgefonds ihre Wetten auf fallende Preise. Short-Positionen in Mais und Weizen erreichten sowohl an der CBOT als auch an der europäischen MATIF-Börse historische Höchststände, wo Short-Weizen-Kontrakte ein 10-Jahres-Hoch erreichten.

Sojabohnenkomplex: Fonds setzen auf Erholung

Auf dem Markt für Sojabohnen-Derivate haben die Fonds vor Kurzem ihre Positionen geändert und sind nun optimistischer eingestellt. Sie kaufen Sojabohnen- und Ölkontrakte, halten aber eine Short-Position in Sojamehl aufrecht. Dies deutet auf eine positivere Einschätzung der industriellen und energetischen Verwendung des Getreides hin, sowie auf die Einpreisung geringerer Lagerbestände in den USA aufgrund einer wahrscheinlich geringeren Ernte.

Palmöl: Die Konkurrenz kehrt zurück

Auf dem internationalen Markt sind die Palmölpreise erneut unter die Sojaölpreise gefallen, was einen Teil der Nachfrage anziehen und zusätzlichen Wettbewerb für Sojabohnenexporteure schaffen könnte. In Indonesien und Malaysia wird für 2025/26 mit einer Produktionssteigerung gerechnet, wobei die Lagerbestände bei steigenden Exporten stabil bleiben.

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