Embrapa wird Sojabohnensorten präsentieren, die vom kommerziellen Standard abweichen.

Der Reichtum der aktiven Genbank steht in direktem Zusammenhang mit der genetischen Sicherheit der Kulturpflanze.

06.02.2026 | 16:22 (UTC -3)
Lebna Landgraf, Ausgabe des Cultivar Magazine
Foto: Antonio Neto, Embrapa
Foto: Antonio Neto, Embrapa

Zwergsojabohnenpflanzen, unbehaarte Sojabohnen und sogar solche mit gewellten Blättern gehören zu den Besonderheiten, die Embrapa Soja auf der Technologieausstellung der Landwirtschaftsmesse Coopavel vom 9. bis 13. Februar in Cascavel präsentiert. Die Forscher wählten verschiedene Sojabohnentypen aus den rund 65 Akzessionen der aktiven Genbank (BAG) von Embrapa aus – einer der drei größten Sojabohnensammlungen weltweit.

Ziel ist es, zu zeigen, wie sich die genetische Variabilität der Nutzpflanze in visuellen (phänotypischen) Merkmalen ausdrückt, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. „Die Genbank ist Forschungseinrichtungen vorbehalten, die breite Öffentlichkeit hat keinen Zugang dazu. Wir machen diesen Reichtum nun erstmals sichtbar“, erklärt der Forscher Marcelo Fernandes de Oliveira von Embrapa Soja. Ihm zufolge soll etwas veranschaulicht werden, das bei kommerziell angebauten Sojabohnen normalerweise nicht vorkommt.

Halbdeterminierte Sojabohnen

Eine der herausragenden Eigenschaften ist die semideterminierte Sojabohne, die als erste ihrer Art nachgewiesen wurde. Laut dem Forscher stellt dieses Material eine Zwischenstufe zwischen den auf dem Markt erhältlichen determinierten und indeterminierten Sojabohnen dar.

„Determinate Sojabohnen blühen fast alle gleichzeitig und stellen nach Beginn der Blüte ihr Wachstum ein. Diese Sorte wurde bis in die 2000er-Jahre angebaut. Indeterminate Sojabohnen hingegen beginnen zu blühen und blühen 20 bis 25 Tage lang, wobei sie sich in dieser Zeit verdoppeln – und machen heute über 90 % der kommerziellen Sorten aus“, erklärt Fernandes.

Halbdeterminierte Sojabohnen hingegen zeigen ein intermediäres Verhalten. „Sie blühen zwar weiter, verdoppeln aber nicht ihre Größe. Sie wachsen um etwa 30 bis 40 Prozent und weisen eine andere Wuchsform auf, mit kürzeren Internodien, einer größeren Anzahl von Hülsen pro Knoten und einer schirmförmigen Spitze, der sogenannten Cachopa“, erklärt der Forscher.

Laut dem Forscher deuten Studien darauf hin, dass diese Wuchsform mit Produktivitätssteigerungen einhergehen kann, obwohl weitere Untersuchungen nötig sind, um ihr agronomisches Potenzial im kommerziellen Maßstab zu bestätigen. „Wir erzielen Fortschritte bei Kreuzungs- und Vorzüchtungsverfahren, um dieses Material besser zu verstehen, insbesondere weil die Klassifizierung von Sorten als semideterminat oft mit Unsicherheiten behaftet ist“, so Fernandes.

Über den kommerziellen Standard hinaus

Neben halbdeterminierten Sojabohnen wird Embrapa Soja Sorten mit Eigenschaften präsentieren, die im Freiland selten zu sehen sind, mit Blüten-, Blatt- und Hülsenmerkmalen, die sich von traditionellen Sojabohnen unterscheiden.

„Es geht nicht darum, diese Eigenschaften als besser oder schlechter zu bewerten, sondern ihre Existenz aufzuzeigen. Manche haben Vorteile, andere Nachteile. Unbehaarte Sojabohnen beispielsweise eignen sich hervorragend für den menschlichen Verzehr, etwa für Edamame, sind aber möglicherweise anfälliger für Wanzenbefall“, erklärt der Forscher. Durch gezielte Selektion lassen sich daher kommerzielle Vorteile für verschiedene Sojabohnen-Nischen erschließen.

Genetische Vielfalt

Laut dem Forscher steht der Reichtum der aktiven Genbank in direktem Zusammenhang mit der genetischen Sicherheit der Kulturpflanze. „Die größte genetische Variabilität findet sich im Ursprungszentrum der Sojabohne, China, sowie in anderen Anbaugebieten wie Japan und Korea. Viele Merkmale, die im Laufe der Zeit verloren gingen, sind in diesen Genbanken noch erhalten“, so Fernandes.

Diese Vielfalt ist grundlegend für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen. „Sollte eines Tages eine extreme Umweltbedingung eintreten, sei sie biotischer oder abiotischer Natur, könnten einige dieser Pflanzen die notwendigen Eigenschaften zum Überleben besitzen. Dies betrifft beispielsweise Trockenheitstoleranz, Photosynthese-Effizienz, Pflanzenarchitektur oder Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten“, so der Forscher.

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