Trends in der Sätechnik

Von Yves Reckleben, Professor an der Fachhochschule Kiel

26.10.2023 | 08:03 (UTC -3)

Neben Pflanzenschutz und Bodenvorbereitung ist die Aussaat einer der wichtigsten Prozesse im Getreideanbau. Die Aussaat bestimmt die Ausgangslage für Bestandesdichte und -entwicklung. Neben der Wahl der Aussaatmenge spielen auch die technischen Anforderungen der Sätechnik eine wichtige Rolle. Dabei steht die gleichmäßige Kornverteilung im Gelände (Längs- und Querverteilung) bei gleichzeitig präziser Tiefenablage im Vordergrund. Diese Parameter bestimmen maßgeblich die Wettbewerbsfähigkeit jeder Anlage. Weitere Parameter, teilweise im Zusammenspiel mit dem Saatgut, beeinflussen den möglichen Ernteertrag.

Ein Trend, der sich in den diesjährigen Innovationen abzeichnet, ist die gleichzeitige Ausbringung von Saatgut – teilweise auch aus verschiedenen Kulturen und Mikrogranulaten, um den Bedarf mehrerer Kulturen auf dem Feld zu decken. Besonders wichtig sind dabei die genaue Verteilung und Positionierung sowie die Dokumentation der Position und Menge der verschiedenen Kombinationen.

Reihensaat mit einfacher oder Einzelsaat

Abhängig vom eingesetzten Säsystem gewinnen Spaltreihensäsysteme und Einzelkornsäsysteme zunehmend an Bedeutung. Jedes System weist unterschiedliche Positionierungsgenauigkeiten in der Längsverteilung auf. Während bei der Präzisionssaat die Körner immer genau getrennt und positioniert werden, kommt es aufgrund der Volumendosierung bei Reihensäsystemen zu einer doppelten oder mehrfachen Saatreihenanordnung. Aufgrund der einfacheren Steuerung der Schartiefe können mit Reihensäsystemen jedoch Reihenabstände von 10 bis 75 Zentimetern realisiert und höhere Geschwindigkeiten (größer 12 km/h) bei der Aussaat erreicht werden.

Die Tiefenmessung war in der Vergangenheit eines der Innovationsziele, insbesondere in der Einzelkornsaat. In diesem Jahr ist die automatische Anpassung des Schardrucks ein Problem bei der Reihensaat. Dies wird an den Gegendruckrollen gemessen. Dies bedeutet, dass bei Änderungen des Bodenwiderstands der Druck der Schare durch die Maschinen aktiv angepasst werden kann und so eine gleichmäßige Ablage in der Tiefe gewährleistet ist. Dies führt zu einer gleichmäßigen Keimung auf dem Feld und somit zu konkurrenzfähigen Pflanzen.

Das Ziel sollte immer darin bestehen, maximale Präzision anzustreben und die Variationskoeffizienten (CV) für die Längsverteilung zu minimieren, d. h. weniger als 10 % für Einzelkornsämaschinen und weniger als 100 % für Inline-Säsysteme. Reihensaatsysteme mit zusätzlicher Trennung erreichen CV-Werte von 50 bis 60 %.

Ermöglicht mechanische Wartung

Wer eine maschinelle Pflanzenpflege durchführen möchte, um die Kosten des chemischen Pflanzenschutzes zu senken, benötigt Pflanzen, die für mechanische Anbauverfahren vorbereitet sind. Die Verteilung des Fußabdrucks ist mittlerweile bei allen Kulturpflanzen ein wichtiges Thema, um mechanische Arbeit während des Nachauflaufs zu ermöglichen. Nach der Aussaat umfasst es Walzen zur Förderung der Keimung und des Auflaufens, Gitter zur Belüftung des Bodens bei Krustenbildung sowie die Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen und, abhängig vom Abstand der Körner in der Reihe, auch zwischen den Pflanzen in der Reihe .

Status quo und Perspektiven

Die Sätechnik ist heute leistungsfähiger und effektiver als je zuvor. Benutzeranforderungen haben auch dazu geführt, dass die elektronische Saatmengenverstellung mittlerweile bei verschiedenen Herstellern weit verbreitet ist. Wichtige Entwicklungsschwerpunkte bei volumetrischen Reihensaatsystemen sind derzeit vor allem die zusätzliche präzise Ablage von Düngemitteln bzw. Mikrogranulaten und die gleichmäßige Ablage in einer an die Bedürfnisse des Bodens angepassten Tiefe. Für eine effiziente, erfolgsorientierte und kostengünstige Aussaat ist die richtige Technik wichtig. Lokale Bedingungen sowie zukünftige Wachstums- und Klimaanforderungen bestimmen bereits jetzt den Bedarf an Technologieausrüstung.

Insbesondere bei Investitionen in neue Saattechnologien ist es notwendig, zukünftige Betriebsabläufe zu berücksichtigen. Größere Abstände zwischen den Saatreihen bei Reihensaatsystemen bedeuten weniger Einheiten, höhere Fahrzeuggeschwindigkeiten und Vorteile im mechanischen Pflanzenschutz. Bei der Einzelkornsaat, insbesondere bei Mais, geht der Trend hin zu engeren Saatreihenabständen und geringeren Düngermengen unter den Wurzeln. Das bedeutet mehr Einheiten pro Meter Arbeitsbreite. Die Vorteile engerer Saatreihenabstände liegen in diesem Fall in einer besseren Verteilung der Standfläche und Durchwurzelung, einer geringeren Erosionsgefahr und geringeren Restnitratwerten nach der Ernte.

Neben der einfachen Bedienung sind eine gleichmäßige Saatbettbereitung und gleichmäßige Saattiefenablage von besonderer Bedeutung. Insgesamt bietet die Saattechnik mehrere Verbesserungsmöglichkeiten, die sich positiv auf Produktivität und Nachhaltigkeit auswirken. Die auf der diesjährigen Agritechnica gezeigten Innovationen im Bereich der Aussaat wecken Erwartungen auf eine spannende und abwechslungsreiche Ausstellung.

von Yves Reckleben, Professor an der Fachhochschule Kiel

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